Minikamera im Auto: Sicherheit durch Dash Cam

In den letzten Jahren hat der Trend zur Minikamera auf dem Armaturenbrett – der sogenannten Dash Cam – immer weiter zugenommen. Eine mobile Minikamera, die im Auto befestigt die Fahrt und den Verkehr aufzeichnet. Eine kurze Internet-Recherche zu Dash Cam Videos ergibt schnell zahlreiche mal mehr, mal weniger lustige Clips aus dem alltäglichen Leben auf der Straße. Doch worin genau liegt die Bedeutung einer solchen Minikamera, wozu wird sie eingebaut und darf ich überhaupt ohne Weiteres den Verkehr filmen?

Was ist eine Minikamera im Auto?

Minikamera für den Verkehrs Notfall

Eine Minikamera kann das entscheidende Beweismaterial bei einem Unfall liefern (c) w.r.wagner / pixelio.de

Die Minikamera im Auto – die Dash Cam – ist ein mobiles Aufzeichnungsgerät, das mittels großer Akkulaufzeit und Speichermöglichkeit die Autofahrt als Video speichert. Befestigt wird die Minikamera, ähnlich wie ein Navigationsgerät, per Saugnapf an der Windschutzscheibe. Von dort aus lässt sie sich per mitgeliefertem Stromkabel an den Wagen anschließen und laden. Die Minikamera dient insbesondere der Aufzeichnung von kritischen Situation oder Autounfällen, um im Zweifelsfall als Beweismittel auszuhelfen. Insbesondere aus dem russischen Raum hat sie ihre Berühmtheit erlangt, da sie dort oft das einzige Mittel ist, um sich gegen Versicherungsbetrüger oder Fahrerflüchtige zur Wehr zu setzen.

Technische Möglichkeiten der Minikamera

Eine Minikamera für den Wagen gibt es in verschiedenen Ausführungen. Eine einfache Kamera, die über Kabel geladen wird und ihre Daten auf deiner SD-Karte speichert ist durchaus erschwinglich und erfüllt die grundlegendste ihrer Aufgaben souverän – die Observation des Geschehens vor dem Auto. Zusätzlich gibt es System, die ebenso nach hinten und zu den Seiten aufzeichnen, um optimale Abdeckung des Wagens zu gewährleisten.

Durch die einfache Kompatibilität mit der SD-Karte ist der Speicher der Minikamera quasi unendlich erweiterbar und weitaus flexibler als Fire Wire oder USB Schnittstellen. Sollte das Speichermedium dennoch einmal voll werden, werden die ersten Clips einfach überschrieben, denn eine Minikamera zeichnet zumeist in Intervallen von 15 Minuten auf und beginnt dann eine neue Video-Datei. Das vereinfacht ebenso die spätere Suche nach relevanten Geschehnissen während der Fahrt. Auch günstigere Modelle zeichnen bereits in High Definition Video Qualität auf, wie man es zum Beispiel vom Cam Corder gewöhnt ist.

Anwendungsgebiete der Minikamera

Die Minikamera dient als Absicherung im Straßenverkehr. Oftmals wird man in einen Unfall verwickelt, der nicht durch die eigene Fahrlässigkeit oder durch eigenes Verschulden entstanden ist. Nicht immer ist in so einer Situation ein Zeuge zur Hand. Hier springt die Minikamera ein und kann als Beweismaterial von Polizei und Richtern gesichtet werden. In vielen osteuropäischen Ländern ist eine solche Minikamera das einzige Mittel, zum Beispiel, gegen Versicherungsbetrüger, die sich mit voller Absicht vor ein fahrendes Auto werfen, um Schmerzensgeld zu erklagen.

War die Minikamera zunächst nur als einzelnes Gerät zu erwerben, das über verschiedene Mechanismen an der Windschutzscheibe oder dem Armaturenbrett befestigt wurde, sind mittlerweile zahlreiche Auto-Hersteller dazu übergegangen, die Minikamera Technik serienmäßig zu verbauen. Dabei geht es hier nicht nur gänzlich um die rechtliche Sicherheit im Ernstfall, sondern auch Vandalismus und mutwillige Sachbeschädigung am eigenen Wagen kann so bekämpft werden. Wenn das Nummernschild des Täters im Bild erscheint, wird der Kratzer mit dem Schlüssel schnell zum teuren Vergnügen.

Minikamera auf dem Armaturenbrett: rechtliche Hinweise

Minikamera Auffahrunfall Beweis

Auffahrunfall, doch wer ist schuld? Die Minikamera kann es zeigen (c) Dieter Schütz / pixelio.de

Doch darf sich jeder Autofahrer einfach eine Minikamera im Wagen installieren, ohne dass es da Probleme gibt? Gerade in Deutschland ist der rechtliche Aspekt einer Minikamera eine Grauzone. Es ist verboten mit einer Minikamera den Verkehr aufzuzeichnen, aber ob das Video Material auch von der Polizei und dem Richter als gültiges Beweismaterial angenommen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt und hängt meistens vom individuellen Fall und Zuständigen ab. Eine Minikamera ist in Deutschland also keine Garantie für Sicherheit oder zumindest Gerechtigkeit.

Darüber hinaus ist das Filmen aus dem Auto nur während der Fahrt gestattet. Steht der Wagen, muss auch die Kamera ausgeschaltet werden, da es sich sonst um eine illegale Überwachung öffentlichen Raumes handelt. Das ist insbesondere für Fahrer, die um die Sicherheit ihres Lackes besorgt sind, ein Nachteil, doch als Notlösung gibt es ebenso Minikamera Modelle, die mittels Bewegungssensor reagieren und für einen kurzen Moment aufzeichnen. Das kann oftmals bereits ausreichen, um den Täter zu ertappen.



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10 Kommentare

  1. Sascha Stobitz

    Hallo Vdska.de.

    ich überlege bereits seit einiger Zeit, mir eine Minikamera im Auto zu installieren bzw. installieren zu lassen. Vor ein paar Monaten habe ich einen riesigen Kratzer, der über die ganze Fahrerseite lief, gefunden und natürlich keine Spur vom Täter…

    Ich war mir bezüglich der rechtlichen Möglichkeiten einer Dash Cam nicht ganz sicher und bin bei der Suche nach Infos auf ihren Artikel gestoßen.

    Sie haben mir sehr geholfen damit! Können Sie eventuell einige Modelle empfehlen?

    Sascha Stobitz

  2. Paul Weinbrink

    Hallo Redaktion,

    ich habe einige Videos auf YouTube gesehen, die mit so einer Minikamera im Auto gemacht wurden und war gleich fasziniert davon. Mir wurde schon mehrere Mal der Lack zerkratzt und das irgendjemandem nachzuweisen ist natürlich im Nachinein unmöglich.

    Ich habe mir jetzt eine Dash Cam installiert, damit endlich mal Schluss mit dem Spuk ist. Ich bin gespannt, ob die Kamera etwas aufnehmen wird.

    Auf Ihren Artikel bin ich nach einer kleinen Suche rund um die Dash Cam gestoßen und wollte eigentlich nur sagen, dass mir der Artikel sehr gefällt. Weiter so!

    MFG

    Paul Weinbrink

  3. Zitat: „Es ist verboten mit einer Minikamera den Verkehr aufzuzeichnen“

    warum?? aber mit einer größer Kamera ist es erlaubt?? Was ist es im Verkehr so geheim, dass nicht aufgezeichnet werden kann? Was ist der Unterschied zwischen die Touristen in der Straße Fotos/Videos mit der Stadt aufnehmen (natürlich gibt’s Personen und Autos im Film) und die Kamera im Auto bzw. in Bewegung zu sein??

  4. Woher stammt die „Weisheit“, es sei verboten, den Verkehr aufzuzeichnen? Die Aussage ist ohne Begründung Schall und Rauch.
    DIE VERBREITUNG MEINER ADRESSE IST NICHT ERLAUBT.

    • Hallo Herr Roth,

      Sie haben Recht, eine definitive rechtliche Angabe zu dem Thema gibt es noch nicht, aber wie bereits im Artikel beschrieben, gilt die Installation einer Minikamera und das Aufzeichnen als rechtliche Grauzone. Hier mal ein Artikel der WELT zu dem Thema. Während es nicht kategorisch illegal ist, während der Fahrt mit der Minikamera aufzuzeichnen, ist es dennoch noch nicht geklärt, ob das geschossene Material rechtlich als Beweismaterial genutzt werden darf. Es gibt noch keine Präzedenzfälle und richterlichen Beschlüsse zu dem Thema.

      Das kontinuierliche Filmen der Minikamera während der Wagen geparkt ist, ist im Gegensatz dazu sehr wohl verboten, da dies eine Überwachung des öffentlichen Raumes darstellt, und somit in die Personenrechte eingreift. Basierend auf Ihrer letzten Anmerkung sollte das auch in Ihrem Interesse sein.

      Vielen Dank für’s Lesen.

      MFG

      die VDSKA.de Redaktion

      • Danke für die schnelle Antwort.
        Meine Zweifel gründen auf folgender Begebenheit:
        Ich hatte die DashCam gerade zwei Tage in Betrieb, als ich eine Fahrerflucht per Video aufgezeichnet hatte. Ein Pkw fuhr rückwärts und beschädigte ein ordnungsgemäß in einem Fahrradständer abgestelltes Fahrrad schwer und verschwand. Als ich nach einer Stunde zurückkam, kam zufällig auch der Radler und betrachtete sein Fahrrad, Vorderrad deformiert usw. Ich sagte ihm, ich würde zuhause mir das Video auf dem PC ansehen, wenn er Glück habe, könne man die Kfz-Nummer ablesen. So war es dann auch, der Radler konnte den Flüchtigen ermitteln.
        Gruß
        Robert Roth

  5. wer kann sagen ob man in deutschland werähnd der fahrt mit kfz videokamera fahren darf?

  6. Gerade die neuen Artikel der Medienbranche sind wirklich schlecht geschrieben und überhaupt nicht gut recherchiert.

    Nach wie vor gibt es keine Urteile zum Thema eines „vernünftigen“ Gerichtes: Landesgericht oder ähnliches.

    Was die Zeit aktuell geschrieben hat ist an schlechtem Journalismus kaum zu unterbieten: http://www.zeit.de/mobilitaet/2014-10/dashcam-bussgeld Der Autor lässt einfach wichtige Elemente der Zitate weg, damit es medienwirksamer wirkt?

    Der ADAC ergänzte beispielsweise die Aussagen mit „Wer ausschließlich für private Zwecke eine Fahrt in landschaftlich schöner Umgebung filmt, verstößt auch dann nicht gegen den Datenschutz, wenn dabei andere Personen oder Kennzeichen abgelichtet werden.“ (http://www.adac.de/infotestrat/ratgeber-verkehr/verkehrsrecht/Dashcam/)

    • Hallo Herr Heiden,

      das ist korrekt. Oft wird nicht ausreichend recherchiert oder sich mit einer subjektiven statt objektiven Meinung zu einem Thema geäußert. Zitate werden zudem gekürzt, Fakten werden nicht genug belegt oder nachträglich geprüft und die Recherchen laufen oft nur noch online ab. Naheliegende Recherche-Mittel und sichere Quellen wie Bibliotheken, Telefone und Handarchive werden stattdessen häufig ignoriert.
      Allerdings scheint es mittlerweile auch Zeitungen und Medienberichterstatter zu geben, die sich darauf spezialisiert haben, aktiver zu recherchieren: Indem für bestimmte Themenbereiche Rechercheteams zusammengestellt werden und sich dadurch intensiv um die jeweiligen Fachgebiete gekümmert wird, sollen Ergebnisse – basierend auf scheinbar sicheren Quellen – zustande kommen, die sowohl in der Zeitung, als auch im Radio und Fernsehen präsentiert werden sollen.
      (Hier ein Artikel der Berliner Zeitung zu dem Thema.)

      MFG

      die VDSKA.de Redaktion

  7. Hallo liebe OSM, lieben Dank für Ihre Antwort.

    Ja, die Recherche lässt neuerdings immer mehr zu wünschen übrig. Noch schlimmer finde ich es, dass man objektivere Informationen innerhalb eines Onlineshops findet, welcher selbst Autokameras verkauft. Also der Artikel von Kai Sturm ist meines erachtens umfassender als von unseren lieben Qualitätsjournalisten!

    Bei der Recherche gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Bei einem Rechtsthema sollten beispielsweise mehrere Anwälte zu Wort kommen und eventuell sogar ein Verkäufer von solchen Produkten. Wenn man diesen mit ernstgemeinten Fragen konfrontiert, erhält man sicherlich interessante Informationen.

    Ihren Artikel habe ich gelesen, spannend Ein solches Team. Schade ist, dass häufig die Quellen nicht genannt werden 🙁
    In diesem Zusammenhang eventuell noch eine andere Art von Journalismus: Kennen Sie die Krautreporter? Von diesem Projekt erwarte ich mir beispielsweise einen qualitativ hochwertigeren Journalismus!

    Liebe Grüße Heinz Heiden

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